Jugendliche von Bern-Bethlehem

Ich habe mir einige Gedanken/Vorstellungen gemacht, was ich beim Midnight Sports in der Turnhalle Tscharnergut in Bern-Bethlehem antreffen werde. Eindrücke die sich auch bestätigt haben. Auch war ich mir bewusst, dass ich Terrain betreten werde, das normalerweise Erwachsenen verwehrt bleibt. Eingelassen werden ab 20.30 Uhr ausschliesslich Jugendliche bis 18 Jahre.

Ein Grossteil der über 100 Jugendlichen ist motiviert, die angebotenen Sport- und Spielarten zu nutzen. Der kleinere Teil trifft sich an diesem kalten Samstagabend auf der Galerie zum aufwärmen und herumhängen. Mich interessieren jedoch vorallem diejenigen, die aktiv mitmachen. Bei diesen Jugendlichen fallen mir ihr positives soziales Verhalten auf. Etwas das ich im Alltag so nicht wahrnehme. Beim Fussballturnier und Basketball sind die Jungs sehr motiviert bei der Sache, teils auch übermotiviert. Liegt dann einer am Boden, ist schnell eine Hand da, die den Liegenden hochzieht. Man umarmt einander, freundschaftliche Gesten werden ausgetauscht.

Ein paar junge Männer können aber auch anders. Der Grat scheint teils sehr dünn zu sein und die Stimmung kann schnell auf die andere Seite kippen. Dies überrascht mich jedoch kaum. Über 100 Jugendliche sind in einer Halle und der Grossteil davon mitten in der Pubertät. Probleme wegen der schulischen Leistungen verbunden mit der Berufswahl und Lehrstellensuche intensivieren diese Phase um ein vielfaches. Bei vielen wohl noch zusätzlich aufgrund ihrer familiären Struktur. Das birgt zwangsläufig auch Reiz- sowie Konfliktpotenzial.

Beim Sichten der Bilder sind mir die Jugendlichen aufgefallen, die in einem Moment zu sehen sind, wo ich mich frage: Was liegt vor ihnen? Wo führt ihr Weg sie hin? Mit diesen Fragen verbunden tauche ich ein in die Erinnerung an meine Zeit als Jugendlicher. 1989, mit siebzehn Jahren beginne ich in der Erwachsenenwelt sehr unsicher eine vierjährige Lehre als Typograph. Endlich zwar, denn die Schule hat mir mehr Probleme als Freude bereitet. Einen Ort wie die Turnhalle Tscharnergut wo ich mich mit Freunden treffen konnte, gab es nicht. Wir haben uns in den beiden Spielsalons meines Wohnortes in der Luzerner Agglo getroffen, vor dem Denner, in einer Tiefgarage oder im Schutz der Dunkelheit auf einem Kinderspielplatz.

Die prägendste Erinnerung an diese Zeit war der Zusammenhalt mit meinen Freunden über viele Jahre. Diesen Zusammenhalt unter Jugendlichen, die für mich im 2016 die Schweiz in ihrer Vielfalt repräsentieren, erkenne ich auch an diesen beiden Samstag-Abenden im November 2016 in Bern-Bethlehem.

Im Auftrag von SuchtMagazin / Infodrog

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I've been thinking about what I'll be discovering at the regular winter event "Midnight Sports" in the outskirts of Berne in Berne-Bethlehem. I was aware that I would enter terrain which is normally denied to adults. Only young people under 18 years will be admitted by the organizers from 8.30 pm till midnight.

A large part of the more than 100 young people are motivated to use the sports and games offered. The smaller part meets on this cold Saturday night on the gallery to warm up and hang out. However, I am particularly interested in those who are actively involved. These young people have a positive social behavior. Something I do not notice in everyday life. During the soccer tournament and basketball, the guys are very motivated, partly over-motivated. If there is one on the ground, there is a hand quickly that pulls the person up. You embrace each other, friendly gestures are exchanged.

A few boys can be different too. The ridge seems partly very thin and the mood can quickly tilt to the other side. This is hardly surprising. More than 100 young people are in a hall and the majority of them are in the middle of puberty. Problems related to school performance combined with career choice and job search intensify this phase by a large number. Many of them also due to their family structure. This inevitably entails stimulus and conflict potential.

When looking at the pictures, I noticed the young people who can be seen in a moment, where I ask myself: What lies before them? Where does their path lead them? With these questions, I dive into the memory of my time as a youth. In 1989, at seventeen, I am very unsure of a four-year apprenticeship as a typographer in the adult world. At last, because school has given me more problems than pleasure. A place like this in Bern-Bethlehem, where one can meet with his friends, has not existed. We met in the two game saloons of my town, in front of a supermarket, in an underground car park or in the shelter of the dark on a playground.

The most important memory of this time was the cohesion with my friends over many years. I also recognize this cohesion among those young people on these two Saturday nights in November 2016 in Berne-Bethlehem. And above all, how culturally the youth of Switzerland is mixed.

commissioned by SuchtMagazin / Infodrog

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