Happy Hours II

Unterwegs an zwei Grossanlässen im Sommer 2013 mit komplett gegensätzlicher Ausrichtung. Mitte Juli am Gurten-Festival in Bern und Ende August am eidgenössischen Schwingfest in Burgdorf (BE). Die Arbeit während vier Nächten zeigt eine Bestandesaufnahme mit vielen Parallelen auf.

Ob Gurten-Festival oder eidgenössisches Schwingfest, ein Alternativ-Programm für die Partyhungrigen findet an beiden Orten statt und ist schon längst ein Muss für Organisatoren von Veranstaltungen dieser Grösse. Das, was die beiden «offiziellen» Anlässe ausmacht und auch den Grossteil der BesucherInnen anzieht, genügt nicht, um allen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Auch in Burgdorf wird dem/der ausgelassenen BesucherIn der Partyteppich ausgerollt um über die Stränge feiern zu können. Im Hüpfenboden-Zelt stehen «Das Wilde Tiger Ensemble aus St. Pauli» auf der Bühne und die Stimmung und Musik ist von der einer Aprés-Ski Party kaum zu unterscheiden. Schwül-warm und stickig ist es auch hier drinnen, das Publikum durchmischt von 20-jährigen bis zu Ü40. Viele sind - dem Anlass entsprechend – mit Schwingerhemden eingekleidet. Die Drinks gleichen denen auf dem Gurten, ausser, dass das Bier aus Halbliter-Glasflaschen getrunken werden darf. Eine Ausnahme in der Schweiz, wo bei öffentlichen Veranstaltungen in der Regel Bier in Plastikbechern von 4dl abgefüllt wird. Doch in Burgdorf gibt es diese Glasflaschen-Ausnahme und nach Auskunft bei der Brauerei, die als Königspartner für das Eidgenössische wirkt, geschieht dies aus logistischen Gründen wegen der Grösse dieses Anlasses. Die BesucherInnen lassen dem als Piraten(?) verkleideten Bar-Personal keine Pause. Als Tanzfläche eignen sich die Festbänke und vor allem Tische bestens. Abgeräumt werden diese durch die Feiernden selber: was leergetrunken ist, und das ist ziemlich viel, fliegt zu Boden. Ab und zu kracht auch ein Tisch zusammen, kümmern tut es niemanden, vielmehr freuen. Gefeiert, respektive getrunken werden darf bis maximal um 03.00 Uhr. Nicht nur in diesem Zelt, sondern auf dem ganzen Fest-Areal. Danach ist jedoch Schluss für diese Samstagnacht, denn um 07.00 Uhr stehen bereits wieder Zehntausende von BesucherInnen auf dem Gelände, die wegen dem Hauptsächlichen hierherkommen.

Doch noch ist es nicht so weit, und es geht noch eine Weile bis zum letzten Ausschank, dem Schlummerbecher. Auf dem Festgelände sind einzelne herum torkelnde oder herum liegende BesucherInnen auszumachen, hauptsächlich vor dem Zelt, wo drinnen die Band das Publikum animiert, zum Lied «Und dann die Hände zum Himmel» (siehe unten) ihre Hände in die Höhe zu schwingen. Die, welche draussen nicht mehr ansprechbar sind, können ihre Hände kaum mehr heben und werden ebenso hier von Sanitätern betreut und versorgt. Über das ruppige Gelände wird man mit einer rollenden Bahre abtransportiert. Und ab und zu auch mal gefragt, ob nicht nur Alkohol mit im «Spiel» war.

Burgdorf BE, 2013

Im Auftrag von SuchtMagazin / Infodrog

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Two major events in the summer of 2013 with completely opposite orientation: Mid-July at the Gurten-Festival in Berne and at the end of August at the Federal Wrestling Festival in Burgdorf BE. The work during four nights should show a survey with many parallels.

Whether the Gurten Festival or the Federal Wrestling Festival, an alternative program for the party guests takes place in both places and has long been a must for organizers of events of this size. What attracts most of the visitors at both events is not enough to meet all needs.

Burgdorf, 2013

commissioned by SuchtMagazin / Infodrog

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Happy Hours II